
Warum sagt sie nichts?
Wir haben auf dieser Welt zum Glück Demokratien, da wäre so etwas, wie die jetzige Forderung nach der Würde des Opfers Benno Ohnesorg gar keine Frage. In Deutschland jedoch müssen wir um den Artikel 1 für alle Opfer Tag für Tag kämpfen. Es liegt wohl daran, dass bei uns die Piefkes wie Kurras als Täter jeden Schutz genießen, insbesondere wenn sie für die Stasi gearbeitet haben und Beamte waren. Kein Bundespräsident, noch eine Bundeskanzlerin sind bis heute ans Mikrofon der Weltöffentlichkeit getreten und haben sich für diese unfassbaren und kaltblütigen Ereignisse am 2.Juni1967 entschuldigt und die Verantwortung als Vertreter eines Staates übernommen, der auch noch 2009 unfähig ist, seine Schuld anzuerkennen.
Das Ereignis.
Mit der Erschießung von Benno Ohnesorg am 2. Juni 1967 um 20:30 Uhr durch ein Mitglied der seit dem 5 April 1967 tätigen Greiftrupps vom Staatsschutz, die an diesem Abend „Fuchsjagd“ spielten, sollte sich für unser Land mehr verändern, als wir es bis heute verstehen können und oft auch wollen. Dazu fehlen uns einfach die „wichtigsten Akten“, denn das haben wir ebenfalls aus dem 2. Juni gelernt, bei uns wird nichts vernichtet, was einmal gesammelt worden ist, es wird nur wo anders abgelegt, siehe Kurras.*
Die Ereignisse am 2. Juni 1967 sind auf Wikipedia gut und übersichtlich festgehalten. Doch was danach kommt, das ist auch heute noch von Bedeutung, wie uns die Akte Kurras aus dem Stasiarchiv verdeutlicht.*

Gedenken an die Opfer.
Warum hat die Staatsanwaltschaft nicht die Zusammenhänge am 2. Juni 1967 um den Tod des Benno Ohnesorg aufklären können oder wollen? Den dazu ist die Staatsanwaltschaft da und das so genannte öffentliche Interesse war ja nun auch eindeutig gegeben.
Warum keine Erste Hilfe?
Doch was wäre aufzuklären gewesen? Zum Beispiel der Umstand, dass nicht sofort Erste Hilfsmaßnahmen eingeleitet worden sind. „Einer der Journalisten forderte die Polizisten auf, einen Krankenwagen zu holen. Er bekam zur Antwort: Nee, wieso? Das hat Zeit“.* Hatte der Stasimann Kurras schon so viele Sympathisanten ad hoc an diesem Abend gewonnen?
Und noch abartiger und menschenverachtender wird der Umstand, dass an diesem Abend ein norwegischer Schiffsarzt namens Alfred Alexander Mentschel vor Ort war und seine Hilfe anbot. „Obwohl er ….. den Inhalt seiner Arzttasche zeigte und auf seine Berufserfahrung verwies, hinderten ihn Polizeibeamte, dem Verletzten Erste Hilfe zu leisten: Er sei noch nicht approbiert, Norweger dürften nicht in West-Berlin als Arzt arbeiten,..“* Und kein Staatsanwalt hat darüber jemals ermittelt? Was haben die Untersuchungen eigentlich in den nächsten Tagen ergeben, wo sind diese Akten bitte? Klar, der Norweger galt wegen seinem Abzeichen der Résistance und der Tatsache, er habe in Ost-Berlin als Arzt arbeiten dürfen, als Kommunist. Was sagen denn heute die Ermittlungsbehörden zu diesen ungeheuerlichen Vorgängen, die sich da um den um sein Leben ringenden Benno Ohnesorg abspielten?
Von Kurras zur Birthler.
Und so ziehen sich die Ereignisse dahin, mal wird dieser Umstand nicht untersucht, dann besitzt Kurras als Mitglied einer zivilgekleideten Eingreiftruppe der Abteilung 1 des Staatschutzes nur „eingeschränkte Wahrnehmungs- und Urteilsfähigkeit“. Man kann nur hoffen, dass dies nicht zu oft in den Kreisen vorkommt. Nun waren damals die gesellschaftlichen Bedingungen so aufgeheizt, dass es klar war, hier wird gemauert und boykottiert, wie und wo es nur geht.
Doch heute, 42 Jahre danach wäre doch endlich die letzte Chance gegeben, durch eine europäische Kommission die Wahrheit so weit wie möglich zu ermitteln. Warum sperrt sich die Politik dagegen?

Welche Wahrheiten lagern noch in ihrer Behörde?
Selbst die Springer Presse, die damals den Stasispitzel Kurras beschützte und auf alles was nach Student und Protest roch eindrosch, was die Schreibmaschine her gab, muss heute erkennen, wessen Kind sie da geschützt hat und welchen Bärendienst sie der Ehre des Journalismus und der Demokratie erwiesen hat.
Und nun stellen sich eben auch Fragen, warum kommt aus der Birthlerbehörde diese Akte so spät. Und gerade zu einem Zeitpunkt, an dem die SPD eine neue Vergangenheitsdiskussion angeleiert hat, in dem es auch um die Rechtsstaatlichkeitsfrage geht, war die DDR nun ein Rechtsstaat oder nicht?
Die Birthlerbehörde.
Und hier sollte man sich nun gezielt mit den sich gerne selbst feiernden friedlichen Revolutionären a la Bithler beschäftigen, denn bekanntlich hatten die keinen Kurras West zu befürchten, der schon mal abdrückte. Greiftrupps ja, die hat die Stasi wohl nach dem Muster ihrer Kollegen im Westen aufgebaut, die Infos bekam sie von ja Kurras und anderen für den Preis eines Apfels und Eies frei Haus geliefert. Was geschieht eigentlich seit 20 Jahren in dieser Behörde, in der auch noch immer alte Stasileute einen einträglichen Job haben? Der Fall Kurras zeigt, hier geht es nicht nur um die Aufarbeitung der DDR-Geschichte und den Umgang mit ihren Bürgern durch das MfS, sondern es geht auch um deutsche Geschichte allgemein und inwieweit hat sich die Stasi im Westen kriminell oder terroristisch Betätigt und damit geht Völkerrecht verstoßen. Alleine die Namen Kurras alias Otto Bohl (GM) , Günter Guillaume (alias Günter Bröhl) , Gert Bastian, Götz Schlicht alias IM Dr. Lutter, IM Topas, IM Erika usw. werfen Fragen über Fragen auf, was stimmt nun nicht in der Birthlerbehörde?
Die Rosenholzdatei.

Erich Mielke bei seinen Leuten.
Was ist mit den 6000 Akten, die Aufschluss geben könnten über die Aktivitäten der Stasi im anderen Deutschland, nämlich in der BRD, wie es damals hieß in der DDR-Sprache? Und wir wissen, dass die USA schon über die Rosenholzdatei viele wichtige Informationen abgegriffen hat, die heute eigentlich Gegenstand zu Verhandlungen mit Obama sein müssten, wenn dieser am 4. Juni nach Deutschland kommt. Mit dem neuen US-Präsidenten haben wir einen Verbündeten und Freund auch im Kampf gegen die Unterschlagung von Informationen. Doch plötzlich will man in der deutschen Politik nicht mehr so viel von der deutsch-amerikanischen Freundschaft wissen, warum wohl? Frau Merkel scheint nicht mal den Namen Benno Ohnesorg zu kennen, denn bisher kam aus ihrem Kanzlerbungalow kein Wort. Kennen müsste sie jedoch Frau Birthler, die sie bisher immer gerne geschützt hat, so wie auch die vielen Exstasileute in diesem Aktendschungel. Und auch den Verein, von Günter Kurras, dem er politisch angehörte müsste ihr was sagen. SED stand damals für Sozialistische Einheitspartei Deutschlands und ihre Jugendorganisation war die FDJ, die wiederum müsste Frau Merkel, alias Kasner nun wirklich kennen. Denn da war sie mit am Bord und hat es sogar zur Sekretärin für Propaganda gebracht. Gut, andere in ihrem Alter waren schon weiter und waren Kandidatenanwärter für die SED Mitgliedschaft.
Doch es kommt Nichts aus der Politik nur die Springerpresse versucht eine Aufarbeitung ihre Verfehlungen in den 60er Jahren, die auch dem Hause noch einen weiteren Schaden zugefügt hat. So berichtet die Welt Online fast täglich über die Birthlerhörde und die Zustände dort. Mal „schwächt der Fall Kurras“1 die Birthelrbehörde, dann darf sogar selbst Gregor Gysi, dem man immer unterstellt, er sei als IM Advokat für den Mielke Club tätig gewesen, mit der Birthlerbehörde zu recht hart ins Gericht ziehen. Doch warum wird nun nicht endlich die Birthlerbehörde aufgelöst und das ganze Stasiarchiv in sichere Hände übergeben? Wer will das nicht, sind das wieder die Leute von gestern?
Der Weg zu einem neuen Sozialfaschismus über die Ossifizierung?

Auch damals schwiegen zu viele.
Der Philosoph Jürgen Habermas hatte uns 1991 gewarnt, was geschieht, wenn sich 60 Millionen Westdeutsche auf 17 Millionen Ostdeutsche einlassen, von denen viele die Schule der Stasi hinter sich haben und Jahr für Jahr aus ihren schlecht dotierten Jobs nach neuen gut dotierten an der Macht sich wieder hoch seilen. Hans Fallada nannte das, wer einmal aus dem Blechnapf frisst oder eben nach unserem Philosophen, den man auch schon vergessen hat folgend: „Als im Mai 1991 Jürgen Habermas in einem großen, klugen, traurigen „Zeit“-Essay den sechzig Millionen Westdeutschen zu erklären versuchte, warum sie wissen sollten, was mit ihnen passieren wird, wenn sie sich auf siebzehn Millionen Ostdeutsche und deren Ideen, Taten, Erinnerungen, Lebenstechniken einlassen, als er sie vor all dem warnte, was ich gerade zu beschreiben versuchte, wurde er ausgelacht und beschimpft.“ Zu Recht nennt der Journalist Maxim Biller die Ära nach 1991 „Ossifizierung“, besser kann man es nicht ausdrücken.
Beschimpft und Ausgelacht werden, Mobbingopfer kennen diese Methode nur zur Genüge, doch warum Schweigen unsere Politiker dazu, in einer Ära Obama, in der man selbst International mal Sachverhalte in einen Kontext setzen darf, ohne gleich als Feind aller Amerikaner zu gelten. Ich denke, wir sollten gerade in Erinnerung an Benno Ohnesorg und seine Lust auf eine globale Welt nicht auf hören zu fragen:
Warum wird nicht ermittelt?
Warum wird die Birthlerbehörde nicht aufgelöst?
Was haben einzelne Politiker eigentlich für einen DDR-Hintergrund der über den Ausweis hinausgeht?
Wann wird endlich in der Birthlerbehörde gearbeitet und nicht agitiert, die Akte Kurras kam doch nicht durch Zufall so spät und kurz vor dem 2. Juni 2009 ans Tageslicht, da wollte doch einige parteipolitische Stimmung machen.
Lassen wir uns einfach nicht mehr für Blöde verkaufen, zu lange haben wir Ermittlungsbehörden vertraut, die mehr unterschlagen haben als aufgeklärt. Seien wir einfach mal einer demokratisch nationalen Aufgabe gewachsen, bisher haben wir kein gutes Licht in 68 Jahren nach dem Untergang des Dritten Reiches abgegeben. Seien wir einfach mal zu uns selbst ehrlich.
Schlagworte: Benno Ohnesorg, Erich Mielke, Habermas, Merkel, Opfer